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Bilderrahmen in unserem Rahmen Shop

  • Der Bilderrahmen: Der Rahmen, der das Bild zum Bild macht

    Ein Bilderrahmen spielt bei der gewöhnlichen Betrachtung von Bildern - etwa Bildern im Wohnzimmer, im Büro oder im Museum - zumeist keine besonders große Rolle. Schließlich geht es uns ja in erster Linie um das, was abgebildet ist, also um den Bildinhalt und nicht um dessen Rahmung. Letztere wird vielmehr wie für selbstverständlich erachtet, und nur dann, wenn sie vor Gold bzw. anderen Edelmetallen glänzt oder gar noch generös mit noblen Ornamenten verziert ist, kommen wir nicht mehr drum herum, sie zu bewundern bzw. ihr Beachtung zu schenken. Und in dieser Selbstverständlichkeit, mit der wir Bilderrahmen, wie Alurahmen, im Alltag gleichsam zu übersehen neigen, übersehen wir auch die Bedeutung, die ihnen zukommt. Denn es ist tatsächlich vor allem der Rahmen, der ein Bild objektiv überhaupt zum Bild macht. Wenn er fehlt, fehlt strenggenommen auch das Bild. Kein Bild ohne Rahmen. Gleichwohl gibt es sozusagen auf der Oberfläche mittlerweile unzählige Variationen von Bilderrahmen - große und kleine, teure und günstige, Holzrahmen und Kunststoffrahmen, analoge und digitale Bilderrahmen. Deren objektive Funktion bleibt allerdings immer gleich. Es ist also an der Zeit, dem Bilderrahmen, seiner Bedeutung und Geschichte einige interessante Gedanken zu widmen. Ein außergewöhnlicher Blick auf ein gewöhnliches Phänomen.

    Der (Bilder-)Rahmen im Alltag

    Wir alle wissen mehr oder weniger, was ein Rahmen ist. Rahmen begegnen wir nicht nur im Kontext der bildenden Kunst, sondern auch in vielen anderen Daseinsbereichen des Alltags. Wir begegnen zum Beispiel Fensterrahmen, Türrahmen, Torrahmen oder Fahrradrahmen. Wir kennen Stahl-, Holz oder Kunststoffrahmen. Wir reden von Rahmenbedingungen und tun verschiedene Dinge „im Rahmen“ von etwas. Wir erkundigen uns, was denn so im Rahmenprogramm einer bestimmten Veranstaltung läuft und beschweren uns, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass etwas davon den Rahmen gesprengt hatte. Was also Rahmen sind, braucht uns eigentlich kein Mensch zu erklären, und es erscheint absurd, ihm derlei viel Bedeutung beizumessen. Wir werden jedoch sehen, dass es keineswegs vermessen ist.
    Alle vorangestellten Beispiele bringen zunächst glasklar zum Ausdruck, dass ein Rahmen im Allgemeinen etwas Begrenzendes und Strukturgebendes ist. Er grenzt ein irgendwie geartetes Inneres gegen ein Äußeres ab und verleiht dem Inneren so eine gewisse Eigenständigkeit. Doch diese Eigenständigkeit ist eine andere als es etwa bei einem Türrahmen der Fall ist – sie ist nicht zweckmäßig oder funktional. So verweist der Türrahmen zum Beispiel automatisch auf seine funktionale Bedeutung: Die Rahmung bzw. Verankerung der Tür. Der Bilderrahmen dagegen verleiht dem Bild zwar die nötige Abgrenzung gegenüber der Umwelt und damit eine gewisse Bedeutsamkeit. Allerdings liegt die letztere - im Gegensatz zur Bedeutung des Türrahmens - nicht für jeden sichtbar auf der Hand und muss erst erschlossen werden. Das Gerahmte muss sich sozusagen im Auge des Betrachters beweisen.

    Die objektive Bedeutung des Bilderrahmens

    Nun ist es an der Zeit, eine weitere Unterscheidung einzuführen: Das Bild als Bild hat nicht nur einen äußeren Rahmen – also denjenigen, der in mehr oder weniger aufwendiger Hand- oder Industriearbeit gefertigt werden muss; vielmehr ist ihm ein Rahmen schon immer auch immanent. Nicht umsonst schrieb deshalb der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel den Satz: „Indem das Kunstwerk ist, was sonst nur die Welt als ganze oder die Seele sein kann: eine Einheit aus Einzelheiten - schließt es sich, als eine Welt für sich, gegen alles ihm Äußere ab.“ Das Kunstwerk ist eine Realität an sich, oder wie Simmel sagt: ein „Für-sich-Sein“. Die eigenständige Bedeutung des Bildes, seine Einzigartigkeit in der Differenz zur Welt, setzt schon immer eine immanente Grenze voraus. Ein Bild oder ein Kunstwerk bleibt sich immer selbst gleich, ist immer gleichgültig. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass der Bilderrahmen, der einem Bild gleichsam äußerlich „übergestülpt“ wird, das ohnehin mit eigener Bedeutung aufgeladene, in sich geschlossene Bild, faktisch aufwertet. Der Bilderrahmen würdigt das Kunstwerk als Kunstwerk in seiner Einzigartigkeit und Ganzheit. So wird vor diesem Hintergrund auch verständlich, warum etwa zu Beginn der abendländischen Tafelmalerei Bilderahmen quasi gemalt in das Bild integriert wurden: Man würdigte und betonte so die Einzigartigkeit des Bildes. Der Bilderahmen, so Simmel weiter, verstärke und symbolisiere die Grenze des Kunstwerks in ihrer doppelten Funktion: Der Abschirmung nach außen bei gleichzeitiger Schließung nach Innen. Auch der Betrachter ist so aus dem Kunstwerk oder dem Bild ausgeschlossen, sodass er gerade hierdurch, aus der Distanz also, überhaupt erst eine ästhetische Erfahrung machen kann. Oder wie Simmel es formuliert: „Antithese gegen uns und Synthese in sich, sind Wechselbegriffe; die beiden ersten Eigenschaften des Kunstwerks.“ Das Kunstwerk oder das Bild begegnen uns in ihrer je eigenen Geschlossenheit, und die Funktion des Bilderrahmens ist es, diese Geschlossenheit durch Versinnbildlichung hervorzuheben.

    Diese Betonungsfunktion des Bilderrahmens erkennt man indes auch an seiner typischen Baustruktur. Nicht nur die Fugen, an denen die Seiten des Rahmens aufeinander treffen und die sich für gewöhnlich in den Ecken des Rahmens befinden, weisen streng in das Zentrum des Bildes; auch die vier Rahmenseiten sind außen etwas erhöht und konvergieren nach innen, zum Bildmittelpunkt. Nach allen bisherigen Ausführungen können wir nun auch sagen, warum das so ist und warum es vielleicht auch so sein muss: Alles deutet auf die innere Kohärenz des Bildes; die Konvergenz der Rahmenseiten nach innen hilft das Bild „abzuschließen“; das Bild in seiner Einzigartigkeit wird hervorgehoben. Der Bilderrahmen muss also - metaphorisch gesprochen - alles in seiner Macht stehende tun, um diese nach außen und innen geschlossene Einzigartigkeit des Bildes maximal zur Geltung zu bringen. Dies erklärt ferner auch, warum kleinere Bilder tendenziell üppige Rahmen bekommen, während sehr große Bilder mit einer Minimalrahmung auskommen. Wandmalereien etwa benötigen oftmals gar nur eine minimal sichtbare Trennung zwischen dem Bildinneren und der Umwelt. Der Bilderahmen, so ließe sich zwischenzeitlich resümieren, sollte dem Bild bzw. dem Kunstwerk immer nur ein Diener sein und nicht umgekehrt. Ein Rahmen, der buchstäblich den Rahmen sprengt, untergräbt die Individualität eines Kunstwerks und tritt zu ihm in Konkurrenz. Ein solcher Rahmen verfehlt seinen Sinn. Es ist so, wie wenn ein Auto wie ein Rennwagen aussieht, unter der Motorhaube jedoch ein schäbiger Rollermotor steckt.

    Wie aber kann man jetzt erklären, dass besonders alte Rahmen beispielsweise sehr großzügig und aufwendig gestaltet waren? Teilweise waren hier die Seiten aus Säulen gebildet, die einen Giebel trugen, und im Rokoko - dem Spätbarock - gab es sogar Rahmenformen, die Durchbrüche und Formen der Auflösung enthielten. Spricht nicht gerade Letzteres gegen alles, was vorhin bezüglich der Schließung des Bildes nach außen und innen durch den Bilderrahmen gesagt worden ist? Beiden Beispielen gemeinsam ist die Struktur, dass der Rahmen als Rahmen in den Vordergrund rückt oder doch zumindest eine starke Aufwertung erhält. Ein mächtiger, voluminöser und penibel verzierter Rahmen ist so lange sogar gewissermaßen nötig, wie das Bild, das gerahmt ist, einen starken Außenbezug aufweist, bzw. seine Einheit als nicht stark genug rezipiert wird. Wie ist das zu verstehen? Dazu muss man sich die tatsächlichen Bildinhalte vergegenwärtigen, die von jenen alten, architektonisch schweren Rahmen umschlossen waren. Es handelte sich dabei zumeist um Bilder und Gemälde mit religiösen Bezügen. Die Bilder hatten also gottesdienliche Zwecke und zielten auf ein religiöses Erleben. Hinzu kam, dass Spruchbänder und Ähnliches den Rezipienten direkt adressierten. Auf diese Weise geriet die künstlerische Einheit solcher Bilder und Kunstwerke in Gefahr; ihre Eigenständigkeit als Kunstwerke drohte hinter der gleichsam göttlichen Kulisse in Stücke zu zerbröckeln, woraufhin eine dicke und schwere Rahmenkonstruktion diese Einheit zu wahren suchte. Der Rahmen signalisierte also absolute Undurchdringlichkeit und behielt hierdurch seine genuine Funktion. Diesbezüglich zieht auch Simmel die Konsequenz: „Je mehr das Kunstwerk solche ihm jenseitigen Beziehungen ablehnt, desto mehr kann es der Rahmenkräfte entbehren, die durch ihre eigene organische Lebendigkeit doch ihre dienende Funktion wieder desavouieren.“

    Etwas anders verhält es sich dagegen mit Bilderrahmen, die Durchbrüche aufweisen oder übertrieben gestaltet sind, sprich die Geschlossenheit, die sie eigentlich garantieren sollten, teilweise auflösen. Auch das ist kein Widerspruch zum bisher Gesagten. Denn hierbei kommt den so angefertigten Bilderrahmen eine eigene künstlerische Bedeutung zu. Sie rücken vollständig in den Vordergrund und werden eigens zu Kunstwerken. Somit brauchen sie strenggenommen auch keine Bildinhalte mehr, die zu ihnen bloß in Konkurrenz stehen würden. Der Rahmen als Kunstwerk ist folglich etwas kategorisch anderes als der Bilderrahmen in seiner bilddienlichen Funktion.

    Nun kann man beobachten, dass im Laufe der Menschheits- und Kunstgeschichte Bilderrahmen stets funktionaler, pragmatischer, d.h. letztlich bilddienlicher wurden. Fragt man sich, was dies zu bedeuten hat, so kann man anhand des bisher formulierten feststellen, dass dies eine Entwicklung darstellt, die dem Kunstwerk als Kunstwerk sukzessive eine Eigenständigkeit, ja eine Individualität zugesprochen und verliehen hat, die nicht mehr durch übermassive Bilderrahmen geschützt werden musste. War das Bild in der religiös geprägten und ständisch organisierten mittelalterlichen oder der antiken Gesellschaft noch bloß - um erneut mit Simmel zu sprechen - ein Teil eines übergeordneten Ganzen, so wurde es in der Moderne selbst zur Ganzheit. Entsprechend wurden die Bilderrahmen kleiner und dünner, da es fortan um die Individualität, um die Einzigartigkeit des gerahmten Kunstwerks selbst ging. Es ist ferner erstaunlich zu sehen, dass sich in dieser Entwicklung letztlich auch der Wandel des Verhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft ausdrückt. So wurde im Prozess der Zivilisation der Einzelne immer stärker aus seinem lokalen Herkunftsmilieu herausgelöst, konnte zunehmend selbst entscheiden, welchen Beruf er einschlägt, welche Religion er bevorzugt und welche politische Gesinnung im zuträgt. Kurzum: Dem Individuum - wie dem Kunstwerk - wurde seine Individualität zuerkannt.

    Eine kurze Geschichte des Bilderrahmens

    Nach dieser doch eher nüchternen Darstellung der vermeintlich trivialen Bedeutung des Bilderrahmens, lohnt es sich abschließend noch einen kurzen Blick auf seine Geschichte zu werfen. Wir haben bereits festgestellt, dass die Archetektur von Rahmen sich analog zur gesellschaftlichen Entwicklung in Richtung Modernität gestaltete. Im Bilderrahmen kam ein Stück weit der gesellschaftliche Wandel zum Ausdruck, der darin bestand, das Subjekt bzw. das Individuum ins Zentrum zu stellen und ihm mehr Autonomie und Selbstbestimmung einzugestehen. Und so wurde auch das Kunstwerk zunehmend eigenständig und musste nicht mehr von einem überdimensionalen Rahmen protegiert werden.

    Dabei wurden Bilderrahmen bis zum 13. Jahrhundert noch hauptsächlich aus Stein gefertigt. Vordergründig wurden darin Reliefs und Kirchenbilder eingelassen. Viele Bilder malte man direkt auf Kirchenwände. Der moderne Bilderrahmen wurde dagegen erst der Gotischen Epoche (12. - ca. 15 Jh.) thematisch. Vor allem in Italien gewann die Kunst und Malerei zunehmend an Bedeutung. Man fing an, Altäre zu bemalen, die frei standen. Schließlich ging man dazu über, die bemalten Altartafeln in Holzrahmen einzufassen und die Rahmen wiederum kunstvoll zu verzieren und zu bemalen. Die Renaissance brachte den Bilderrahmen sodann in die bürgerlichen Haushalte. Die besagte Eigenständigkeit des Kunstwerks trat zunehmend in den Vordergrund; man hing Bilder zu Hause zu dekorativen Zwecken auf, und auch die Kunst der Bilderrahmenherstellung wurde immer weiter verfeinert. Die Bilderrahmen wurden immer funktionaler, und dies nicht zuletzt aufgrund der um sich greifenden massenindustriellen Produktion. Heute differenziert man vor allem zwischen letzteren und den immer noch handwerklich gefertigten Bilderrahmen. Und während die Industrie weitgehend auf diverse Holzarten, Kunststoffe und Aluminium als Basismaterialien setzt, werden handwerklich hergestellten Rahmen immer noch ausschließlich aus Holz produziert. Doch auch hier gilt: Der Bilderrahmen hat eine stets bilddienliche Funktion zu erfüllen.

    In dieser Hinsicht ist es auch interessant, dass es heute Rahmen gibt, die als „Rahmenlose Rahmen“ bezeichnet werden. Es sind spezielle Cliprahmen, die im Grunde eine reine Schutzfunktion erfüllen sollen. Allerdings muss man dann auch präziser Weise sagen, dass es eben auch keine Bilderrahmen sind, da sie nicht die Einzigartigkeit des Inhalts betonen, sondern ihn lediglich gegen direkte Umwelteinwirkungen abschotten. Der Inhalt, wie zum Beispiel eine Urkunde oder ein Foto, muss hier nicht verstärkt nach außen abgegrenzt werden, da er offensichtlich nicht die Eigenständigkeit eines Kunstwerks besitzt - im Falle des Fotos jedoch besitzen kann. Ein Kunstwerk markiert dagegen ein eigene Realitätsebene.

    Zusammenfassung: Der unscheinbare Bilderrahmen, der den Unterschied macht

    Heute sind Rahmen in einem hohen Maße individualisiert. Foto-, Galerie-, Kunststoff-, Holz- oder Aluminiumrahmen gibt es nun in unzähligen Variationen und Formen zu erwerben. Dass dem Bilderrahmen dabei eine derart große Bedeutung zukommt, nämlich die innere Einheit und die gleichzeitige Abgrenzung des Bildes zu unterstützen, scheint heute kaum aufzufallen, weil es ganz selbstverständlich ist. Und wie so oft würden wir ihn wohl erst vermissen, wenn er plötzlich nicht da wäre. Es lohnt sich also ab und an über die kleinen, selbstverständlichen Dinge des Lebens nachzudenken, denn häufig sind gerade sie es, die den alles entscheidenden Unterschied machen.

 
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